Bedeutet Atheismus gleich Unglaube?

 Die Kernthese lautet: Es gibt keinen Gott!

Anhänger des Atheismus sind vorwiegend Menschen, die nicht an die Existenz Gottes glauben. Das erweitert sich zum Teil auf  den grundsätzlichen Zweifel an der Existenz irgend welcher Götter oder an der Notwendigkeit des Glaubens generell.
Eines jedoch bedeutet es auf gar keinen Fall: Religionsfeindlichkeit. Sicher gibt es auch unter den Atheisten den einen oder anderen Eiferer, der über die Stränge schlägt, wenn es um das Thema Glaube geht, doch es steckt keine zwingende Logik in der Annahme, dass etwa Feindschaft zwischen Gläubigen und Ungläubigen vorprogrammiert wäre.
Die etablierten Religionen haben ihren Teil dazu beigetragen, dass es zu solchen Missverständnissen kommt. So behauptet die katholische Kirche noch heute offen und drohend (So muss es jedenfalls ein Atheist empfinden), dass ein Mensch, der sich Gott nicht öffnet, in der Hölle schmoren muss. So ausgesprochen von einem katholischen Geistlichen erst vor wenigen Jahren im Fernsehen, also vor aller Welt.
Fast noch schlimmer, wenn man das so bezeichnen darf, ergeht es einem Ungläubigen im Islam. "Muslime sind im Allgemeinen vollkommen in der Dualität Gläubige - Ungläubige gefangen. Sie sind begeistert, wenn der Koran von ihnen selbst sagt, daß sie diejenigen sind, die wissen, was Rechtens ist. Das ist die eine Seite der Medaille, die andere ist die Welt der Ungläubigen. Diese werden in Hunderten von Koranversen als die abscheulichsten Wesen in Allahs Schöpfung dargestellt und entwürdigt, dämonisiert, erschreckt und tödlich bedroht." (entnommen einer Internetseite des Arbeitskreises Religion und Menschenrechte)
Es ist doch völlig klar, dass ein Zusammenleben solch konträrer Positionen nur durch Toleranz möglich ist, durch die Einsicht, dass jeder Mensch auf dieser Welt das Recht hat, zu glauben, was er will. Der große Dichter und Philosoph Voltaire hat es auf den Punkt gebracht:
 
„Nicht der Atheismus stachelt die blutigen Leidenschaften an, sondern der Fanatismus.“

Weggabelung inmitten von Feldern mit Jakobswegpfeil

Wie ist es eigentlich zahlenmäßig um das Verhältnis Gläubige und Ungläubige bestellt? Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Das kommt zum Beispiel daher, dass es selbst unter den Gläubigen Positionen gibt, die eine Existenz Gottes in Zweifel ziehen. Wenn man die Gläubigen aller großen Religionen zusammenzählt, kommt man auf etwa 4,7 Milliarden Menschen. Ende Oktober 2011 wird die Gesamtzahl der Menschen auf unserer Erde auf ca. sieben Milliarden Menschen prognostiziert. Es ist natürlich eine sogenannte Milchmädchenrechnung, wenn man nun auf  2,3 Milliarden Ungläubige schließt, die damit die größte (Un)Glaubensgemeinschaft darstellen würden. Doch solche Zahlen sollen ja auch nur der Anregung des eigenen Denkens dienen. Klar ist, dass es noch jede Menge an verschiedenen, weltgeschichtlich unbedeutenden Spielarten des Glaubens gibt.
 

Ungläubige Schweden

 
Atheismus ist weltweit verbreitet, aber in völlig unterschiedlichen Dimensionen, was einzelne Gebiete und Länder betrifft. So gibt es zum Beispiel bei den europäischen Ländern in Schweden die meisten Atheisten. Nur ein Viertel der Einwohner sind Gläubige. In Deutschland ist das Verhältnis in etwa ausgeglichen, also je zur Hälfte Gläubige und Ungläubige. Das hat natürlich auch etwas mit der deutschen Einheit zu tun, denn von den siebzehn Millionen Neu-Bundesbürgern waren nicht mal ein Viertel kirchlich gebunden. Und obwohl der Materialismus von Marx und Engels nunmehr über zwanzig Jahre lang zumindest in den Köpfen ideologisch keine Rolle mehr zu spielen scheint, hat sich das Verhältnis in den sogenannten Neuen Bundesländern nicht wesentlich geändert. Knapp 22 Prozent bekennen sich hier zum Glauben. Die Tendenz ist vor allem aufgrund von Überalterung weiter rückläufig.

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