Über die drei Aspekte der Jakobsmuschel

Der weltlich-biologische Aspekt

Mit lateinischen Bezeichnungen, die man natürlich in der Literatur findet, möchte ich hier nicht aufwarten. Es geht ja nicht um eine wissenschaftliche Betrachtung. So reicht es wohl zu sagen, dass die Jakobsmuscheln zur Gattung der Kammmuscheln gehören und dass es zwei Arten davon gibt. Sie unterscheiden sich vor allem in der Größe und im Herkunftsgebiet. Die etwas kleinere davon lebt im Mittelmeer (acht bis zehn Zentimeter) und wird auch so charakterisiert: Mittelmeer-Jakobsmuschel oder natürlich auch Mittelmeer-Pilgermuschel. Die Größere (sieben bis dreizehn Zentimeter) lebt entlang der Atlantikküste von England bis Portugal. Vielleicht hat ja ihre Größe auch damit zu tun, dass sie im zweitgrößten Ozean der Welt beheimatet ist. Ich gebe aber gerne zu: Das ist eine Idee von mir, also eine völlig laienhafte Sicht. Jedenfalls hätte ich ebenso wenig gedacht, dass beide Muschelarten überhaupt zu den größten essbaren Muscheln zählen. Und sie sollen darüber hinaus – das kann ich wirklich nicht beurteilen – besonders schmackhaft sein.

Anatomisch ähneln sie den Austern und besitzen wie diese einen zentralen Schließmuskel. Der ist bei den Pilgermuscheln stärker ausgeprägt, denn im Gegensatz zu den Austern, die sich an felsigen Untergründen oder zur Zucht auch an sogenannten Austernbänken festsetzen, können die Jakobsmuscheln durch aktives Öffnen und Schließen beider Muschelhälften frei im Meer schwimmen. Beste bekannte Fanggebiete sind vor Schottland, Irland und Frankreich.

Der spirituelle Aspekt

Wie also wurde die Kammmuschel zur Jakobsmuschel? Wenn man dieser Frage auf den Grund gehen will, stößt man – wie könnte das anders sein – auf zahlreiche Legenden. Aus heutiger Sicht ist wohl die eine wie die andere wenig glaubwürdig, vor allem, wenn man eher weltlich orientiert ist. Alle haben jedoch irgend ein Wunder zum Inhalt, dass dem Heiligen Jakob, einem Jünger Jesu, zugeschrieben wird, und in dessen Mittelpunkt die Rettung eines Menschen und die Pilgermuscheln stehen. Am besten gefiel mir diese hier: „Ein junger Adliger will voller Ungeduld dem Schiff entgegeneilen, das den Leichnam von Jakobus an die galizische Küste bringt. Da er jedoch im Ungestüm nicht auf den starken Wellengang achtet, schlägt das Wasser über ihm zusammen und verschlingt ihn mitsamt seinem Ross. Da geschieht das Wunder: Der Heilige Jakob (obwohl er ja eigentlich tot ist) hilft ihm und bringt Pferd und Reiter, die über und über mit Kammmuscheln bedeckt sind, zum Ufer zurück.“ Daher wohl nun der Name. Die Muscheln kamen natürlich vom Wunder des Heiligen Jakobus – also waren es Jakobs Muscheln – Jakobsmuscheln.

eine Sammlung größerer und kleinerer Jakobsmuscheln

Eine Sammlung größerer und kleinerer Mittelmeer-Jakobsmuscheln, wie man sie in Peñiscola am Strand finden kann (Foto: vom Autor)

Zur Pilgermuschel wurden sie gleich aus mehreren einleuchtenden Gründen. Erstens war der Heilige Jakob der Schutzpatron der Pilger und damit auch des Pilgerweges. Zweitens gab es drei bedeutende Pilgerwege, von denen jeder wohl sein eigenes Zeichen brauchte und demzufolge auch hatte: nach Jerusalem trugen die Pilger das Jerusalemkreuz, nach Rom die gekreuzten Pilgerstäbe und nach Santiago eben die Jakobsmuschel.

Zum anderen liegt nahe, dass die Pilger einen Beweis brauchten, dass sie dieses beschwerliche Unternehmen erfolgreich durchgestanden und überstanden hatten. Sie gingen also nach der Ankunft in Santiago de Compostela noch rund sechzig Kilometer weiter bis zu Kap Finisterre. Im Mittelalter glaubte man noch, dort wäre die Welt zu Ende. Der Name sagt es ja übersetzt bis heute: Ende der Erde. Dort, an der Atlantikküste, versuchten die Pilger einer Jakobsmuschel habhaft zu werden. Die nahmen sie dann mit nach Hause. Das versprach Geltung und Ansehen. Später dann gab es die Jakobsmuscheln auch unterwegs an den heiligen Stätten zu kaufen. Manch Einer soll die Jakobsmuschel sogar mit ins Grab genommen haben.

Der kulinarische Aspekt

Jakobsmuscheln gehören zu den Delikatessen, sind bei Feinschmeckern sehr beliebt und haben demzufolge ihren Preis. Das Fleisch ist fest und schmeckt leicht nussig. Es ist ein Genuss ohne Reue, denn die Muscheln gelten als sehr kalorienarm, protein- und vitaminreich. Hochsaison haben die leckeren Gerichte aus Pilgermuscheln vor allem im Winter, und zwar in den Monaten Dezember bis März; erhältlich sind sie jedoch schon ab Oktober, und bis zum Mai hält die Gaumenfreude an.

Aus der fantasievollen Vielzahl von Rezepten, die Jakobsmuscheln als Mittelpunkt haben, sollen die folgenden beiden, relativ einfachen Zubereitungen als Beispiel und Anregung stehen:

In der Pfanne: Die Nüsse (So bezeichnet man das Kernfleisch der Muschel.) in Öl schwenken und in einer heißen Pfanne ohne Fett eine Minute lang von jeder Seite anbraten (nicht länger!). Das Muschelfleisch kann natürlich auch in Butter zubereitet werden!

Als Spießchen: Die Nüsse auf einen Spieß reihen, mit würzigem oder besonders geschmackvollem Öl bestreichen und auf den Grill legen. Die Ölmarinade regelmäßig erneuern damit die Nüsse nicht trocken werden.

PS

Nach oben