In der Herberge des "letzten" Tempelritters

Manjarin bitte nicht einfach am Wege liegen lassen!

 

In dem Film „Der letzte Tempelritter“, spielt Nicolas Cage die Hauptrolle. Der Streifen zeichnet sich ganz und gar nicht durch historische Genauigkeit und damit auch nicht durch Glaubwürdigkeit aus. Am Ende jedenfalls stirbt Ritter Behmen von Bleibruck an seinen Wunden, und damit wäre dann wohl das Kapitel des Ordens derTempelritter endgültig geschlossen – es war ja angeblich der letzte, wenn man dem Filmtitel Glauben schenken würde.

Dass es nicht so war, weiß heute jeder, der sich nur ansatzweise für das Schicksal der Templer interessiert. Der Orden, der korrekt „Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem“ hieß, wurde auf Betreiben des Französischen Königs Philipp IV. in einem Aufsehen erregenden Prozess 1312 durch den Papst aufgelöst. Doch das war nur noch ein verspäteter, abschließender bürokratischer Akt. Denn bereits 1307 hielt Philipp IV. die Zeit für gekommen. Er wollte die Vernichtung des Ordens mit allen Mitteln. Die Mitglieder des Ordens wurden der Sodomie und der Ketzerei angeklagt und in einer Nacht- und Nebelaktion durch die Polizei in einer abgestimmten, landesweiten Aktion schlagartig festgesetzt. Natürlich geschah das mit Zustimmung des Papstes. Nur zwölf Ritter insgesamt sollen entkommen sein. Nun – das galt für Frankreich. Längst war der Mönchsritterorden über ganz Europa verbreitet. 15.000 Ordensmitglieder sollen zu jener Zeit die verstreut liegenden Besitztümer verwaltet haben. Philipps Macht reichte nicht aus, Länder wie Portugal oder Spanien zu bewegen, alle Ritter zu verhaften, anzuklagen und ebenso wie in Frankreich zu verfahren. Fernab von Frankreich wurden die Tempelritter vorwiegend in Ruhe gelassen, fanden Aufnahme in neu gegründete Orden oder wurden sogar von allen Vorwürfen freigesprochen.

Man kann also getrost davon ausgehen, dass es so etwas wie den „letzten“ Tempelritter nie gegeben hat. Zumal sich auch hartnäckig Gerüchte halten, sie hätten sich mehr oder weniger im Geheimen sogar bis heute behauptet. Und damit komme ich zu jenem „Exemplar“, von dem ich eigentlich berichten will:

Wenn der Pilger den Aufstieg zum sogenannten Geisterdorf Foncebadon bewältigt hat, ist es ratsam, eine größere Pause einzulegen oder besser noch, gleich in der Pilgerherberge des Ortes zu übernachten. Am Morgen dann kann man sich mit frischen Kräften dem härtesten Stück des Weges widmen – dem weiteren Aufstieg zum Cruz de Hierro, dem Eisenkreuz. Hier legen die Pilger traditionsgemäß einen Stein nieder, den sie den ganzen langen Weg schon mitgeschleppt haben. Er muss ja nicht groß sein. Manche der Steine des riesigen Berges, der sich inzwischen angesammelt hat, sind ohnehin so groß, dass ich nicht glauben kann, dass ein Pilger sie im Gepäck mitgetragen hätte. Doch darum geht es nicht. Vom Cruz de Hierro führt nun ein Höhenpass auf etwa 1.500 Metern weiter, der allein mit seiner wunderbaren Aussicht für all die Mühen des Aufstiegs entlohnt. Zwei, drei Kilometer weiter entdeckt der Pilger erneut die Reste eines Dorfes, das ebenso wie Foncebadon unbewohnt scheint. Es heißt Manjarin. Doch direkt am Pilgerweg ertönt von Zeit zu Zeit ein silberhelles Glöckchen. Es macht aufmerksam auf bauliche Gebilde, die an zerfallende Schuppen erinnern.

Doch Rauch steigt auf, ein Feuerchen brennt; es duftet nach Kaffee und wenn Du Glück hast nach gegrilltem Fleisch. Vor den schuppenartigen Gebäuden steht ein kurioser, bunter Wegweiser mit Entfernungsangaben für Städte in aller Welt. Hier wohnt Tomás, ein eigensinniger Spanier, der sich in der Tradition der Tempelritter sieht und natürlich auch der Meinung ist, dass er einer der Letzten dieser Art wäre. Und ganz nach den Gepflogenheiten des Ritterordens gewährt er natürlich jedem bedürftigen Pilger Unterkunft in seiner Behausung. Nun – das ist natürlich nur etwas für Hartgesottene, denn es handelt sich um Schlafplätze mit Stallatmosphäre drinnen und Plumpsklo draußen. Wer jedoch das Abenteuer und das Besondere sucht, der ist hier genau richtig. Leider hatte ich nicht das Vergnügen mit Tomás zu reden. Als ich dort vorbeikam, war er gerade in einen Disput verstrickt, in den ich mich schon rein sprachlich nicht mit einmischen konnte. Ansonsten soll er eher ein wortkarger Mann sein. Wie immer es tatsächlich sei. Der Gedanke, dass er der letzte Tempelritter wäre, ist mir doch wesentlich sympathischer als irgend so ein Filmheld, und wenn der noch so berühmt ist ...

PS

Nach oben