Über Päpste und Gegenpäpste

Papstwahlen ohne jeden Hintergedanken?

Die Deutschen waren nunmehr fast acht Jahre Papst und mindestens die Hälfte der Bevölkerung, also die Gläubigen, waren über diese Wahl sehr, sehr glücklich. Der anderen Hälfte wird es mehr oder weniger egal gewesen sein. Warum wurde überhaupt wieder einmal ein Deutscher zum Papst gewählt nach so langer Zeit? Den letzten gab es 1523, also zu einer Zeit, an die sich heute garantiert keiner mehr erinnern kann. Doch ernsthaft: Stellte sich jemand jemals diese Frage?

Nun gut – er war der engste Mitarbeiter und Vertraute seines Vorgängers, Johannes Paul II. für fast ein langes Viertel Jahrhundert. Die Kirche liebt die Kontinuität und mag keine Experimente. Dennoch: Kam die Papstwahl besonders der Kirche in Deutschland nicht gerade recht, nachdem so viele Heiden und Ungläubige aus dem Ostteil Deutschlands jede bisherige Statistik so ziemlich verdarben? Nun, genutzt hat es nicht viel. Vielleicht vollbrachte die Wahl für kurze Zeit eine gewisse Steigerung des Selbstbewusstseins - hoffentlich nicht des Nationalismus - und eine gewisse Befriedigung des Geltungsdrangs der Deutschen, vergleichbar etwa mit der gewiß politisch unverdächtigen Begeisterung zur Fußball-Weltmeisterschaft. Die Zahlen in den sogenannten Neuen Bundesländern sind jedenfalls, sowohl was die Bevölkerungszahl insgesamt betrifft als auch speziell die Zahl der ausgewiesenen Gläubigen, weiterhin rückläufig ...

Päpste sind nicht unbedingt für Sozialismus

Warum wurde im Oktober 1978 ein Pole zum Papst gewählt? Ist es Zufall, dass sich zwei Jahre später die freie Gewerkschaft Solidarnosz gründete und Lech Walesa als deren Vorsitzender zum Volkshelden mutierte? Zu Zeiten, als Johannes Paul II. zum Papst gewählt wurde, sprach darüber niemand. Heute verweisen die Biographien darauf, dass ihm eine „maßgebliche Rolle bei der Beendigung des Sozialismus in seinem Heimatland Polen“ zugeschrieben wird“. Heute sagen dieselben Biographen auch offen, dass es damals eine große Unterstützung aus den USA und Westdeutschland gab. Es wird wohl ähnlich viel CIA in Polen gegeben haben wie etwa in Nikaragua, Chile oder heute in Libyen und anderswo. Die Zeit rennt, und längst sind andere Länder im Fokus. Wie viel CIA und BND gab es eigentlich in der DDR? Wer rief als erster „Wir sind ein Volk!“ als alle anderen noch riefen „Wir sind das Volk!“? Solche Fragen stellt doch keiner, wenn es dort eine Stasi gab, die bis heute noch als brauchbares Ablenkungsmanöver und ewiges  Schreckgespenst herhalten kann und muss.

Kein Mangel an Kandidaten für das hohe Amt

Päpste gab es wohl immer genügend. Das ist schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass der Papst als solcher ja der Stellvertreter Gottes auf Erden sein soll. Es gab ja nicht nur Päpste, nein, es gab auch Gegenpäpste zu den Päpsten und Gegenpäpste zu den Gegenpäpsten. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass es zu Zeiten des Großen Schisma (Streit und Abspaltungen innerhalb der Kirche 1378 bis 1417) für kurze Zeit gleich drei Päpste gab. Zwei wurden kurzerhand für abgesetzt erklärt, um das Schisma zu beenden, und ein neuer Papst wurde gewählt. Die beiden Abgesetzten akzeptierten das jedoch nicht. Zu Recht, denn Päpste galten nicht als abwählbar. Also gab es für eine gewisse Zeit gleich drei Päpste. Man sollte meinen, die Kirche trüge ihre Auseinandersetzungen auf intellektueller Ebene aus, also im theologischen Diskurs – weit gefehlt. Es handelte sich immer vor allem auch um militärische Auseinandersetzungen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, also richtige kriegerische Auseinandersetzungen, Verhaftungen, Mord, Gehorsamsentzug, Belagerung der Papstburg mit einem Heer und so weiter. Es ging immer in erster Linie um Macht. Wer sich - angeregt durch Filme oder Literatur - mit der Geschichte der Familie Borgia auseinandergesetzt hat, der wundert sich über gar nichts mehr.

Eine alte Zeichnung zeigt die Krönung von Papst Benedict XIII.

Die Krönung Benedict XIII., des berühmten, unbeugsamen Gegenpapstes, bekannt auch unter dem Namen Papa Luna

Einer der Entmachteten, Papst Benedikt XIII., floh schließlich nach Peñiscola. Dieser Ort liegt an der spanischen Mittelmeerküste zwischen Tarragona und Valencia. Hier begegnete ich nicht nur seiner Geschichte, sondern auch seinem Standbild am Fuße der mächtigen, ehemaligen Templerburg. Während meiner Pilgertour nach Santiago de Compostela weilte ich mindestens zweimal an Orten, wo auch dieser Papst war: im ehemaligen Kloster Vallivana, wo Benedict XIII. in genau jener Kapelle betete, die ich mir fast sechs Jahrhunderte später ansah, und in Sant Mateu, wo nicht nur er zu Gast war, sondern nach ihm auch Papst Clemente VIII. Grund der Besuche war wohl, dass in Sant Mateu - damals der Hauptort des Gebietes Maestrazgo an der römischen Via Augusta - einige Male die Cortes, die königliche Rats- und Ständeversammlung, tagte.

Bekannt dürfte auch sein, dass Papst Pius XI. der Kathedrale von Burgos, die direkt auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela liegt, 1921 den Titel Basilika minor verlieh. Das ist eine hohe Ehre, die nur einer begrenzten Zahl von Kirchen auf der ganzen Welt gewährt wird. Daraus resultierte schließlich, dass die Kathedrale von Burgos 1984 zum Weltkulturerbe erklärt wurde - als einzige in ganz Spanien.

Das Denkmal auf dem Monte Gozo erinnert an den Besuch Papst Johannes Paul II.

Denkmal auf dem Monte de Gozo erinnert an den Besuch von Papst Johannes Paul II. (Foto vom Autor)

Ganz am Ende meiner Pilgerreise begegnete ich wiederum einem Papst. Auf dem Hügel Monte Gozo steht ein gewaltiges Denkmal aus Beton und Kupfer, das an den Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahre 1982 erinnert. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe der kleinen Kapelle San Marcos, benannt nach dem gleichnamigen Ort, der am Fuße des Hügels liegt. Unweit davon befindet sich die größte Pilgerherberge des ganzen Weges mit über achthundert kostenlosen Betten für die Pilger aus aller Welt und noch einmal so viel für zahlende Gäste. Von hier aus hat der Pilger bereits Sichtverbindung mit seinem ersehnten Ziel – Santiago de Compostela.

PS

"Wieviel die Fabel von Christus Uns und den Unseren genützt hat, ist bekannt."

Papst Leo X.

 

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